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Wie der CIO dem Netzpolitiker einen Brief schickt
eingetragen am 05.06.2012, um 18.36 Uhr in der Kategorie Landtag
Immer wieder müssen netzpolitische Akteure den „Digital Natives“ erklären, wie Politik und Verwaltung funktioniert. Viele glauben das gar nicht, halten „Internetausdrucker“ für eine zynische Modebezeichnung. Das wird in Sachsen-Anhalt nicht anders sein. Wie sieht es aus, wenn der „Chief Information Officer“ des Landes mir als netzpolitischen Sprecher und somit Mitglied im IKT-Beirat einen Brief schickt.
Ich bin im IKT-Beirat, welcher über die Landesregierung hinaus Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft an einem Tisch holt, um über die Landesinfrastruktur sich auszutauschen. Der Beirat läuft gerade an und den CIO gibt es auch erst seit einem Jahr. Es lohnt sich aber ein Blick auf diese Funktion, da man von ihr erwarten würde, sie wäre einen Schritt weiter, als die tiefen Ebenen der Verwaltung.
Wenn der CIO mich informiert, so schickt er dies fortschrittlich per E-Mail, aber nicht an meine überall kommunizierte Adresse, sondern eine Adresse, die ich einzig und allein deswegen eingerichtet habe, um sie im Impressum für die Anbieterkennzeichnung auf meiner Website zu verwenden. Wer weiß, wozu das noch einmal gut sein kann. Aber OK, die Mail kommt ja an.
Die Mail kommt aber nicht vom CIO, sondern aus seinem Büro. Ich werde freundlich darauf hingewiesen, dass im Anschreiben der eigentliche Inhalt steckt und die Datei im Anhang heißt auch stets Anschreiben_Wagner.pdf. Immerhin kein Word.
In der PDF befindet sich dann ein eingebundenes Bild, in Graustufen, ein Scan des zuvor digital erstellten Briefes, der dazu noch mal fix ausgedruckt wurde. Und so wird einzeln verfahren, mit jedem der den Brief erhält, also zum Verteiler gehört. Die E-Mail heißt zudem Elektronische Post.
Das Vorgehen darf man nicht diskreditieren. Ich bin froh, dass die Landesregierung nun einen CIO benannt hat, dass wenigstens ein Scan per E-Mail kommt, statt einem Papier, das tagelang im Postfach in Magdeburg darauf wartet, wenigstens mal aus dem ganzen sonstigen Papier-Werbe-Müll heraus sortiert zu werden.
Es zeigt einfach, dass ein zu erkennender vermeintlicher Technikkulturkonflikt der Generationen natürlich am Öffentlichen Dienst nicht vorbeigehen kann. Wir haben die Verwaltung, die es nun einmal ist. Draufhauen bringt nicht, allmählich qualifizieren muss die Devise haben. Und vielleicht gelingt es uns schneller als wir heute denken, dass auch die Verwaltungen, egal auf welcher Ebene, verstehen, wie wir kommunizieren, das Netz nutzen, und einen „Brief“ flink per E-Mail an einen großen Verteiler ohne nötige Anhänge und Zeitverzug bei Print und Rescan zu senden. Hoffentlich finden wir dann auch Gehör.